Was ist Backtesting|Systematische und diskretionäre Ansätze
Was Backtesting bedeutet, wie sich systematisches (automatisiertes) und diskretionäres (manuelles) Backtesting unterscheiden und womit du am besten beginnst.
Wer nach dem Begriff „Backtesting“ sucht, stößt einerseits auf Testsoftware für den automatisierten Handel wie MT4, andererseits auf Übungsmethoden, bei denen historische Charts Kerze für Kerze abgespielt werden. Was ist nun eigentlich gemeint?
Das Fazit vorweg: Backtesting bezeichnet ganz allgemein das Überprüfen einer Handelsweise anhand historischer Kursdaten. Viele verbinden „Backtesting“ vor allem mit automatisiertem Handel. Ursprünglich umfasst der Begriff jedoch jede Art von Test mit vergangenen Daten – auch das diskretionäre Üben, bei dem du historische Charts manuell durchgehst. Innerhalb dieses Begriffs gibt es zwei Arten mit völlig unterschiedlichem Charakter. Wenn du sie auseinanderhältst, wird klar, welche davon für dich die richtige ist.
Was ist Backtesting?
Beim Backtesting wendest du deine Handelsregeln oder Entscheidungen auf historische Marktdaten an und prüfst: „Wie wäre es ausgegangen, wenn ich in der Vergangenheit so gehandelt hätte?“ Im Deutschen spricht man auch von einer historischen Auswertung.
Der größte Vorteil: Du kannst eine Vorgehensweise zuerst mit vergangenen Daten testen, bevor du eigenes Kapital einsetzt. Aus wiederholten Fehlern im echten Markt zu lernen, kostet Zeit und Geld. Beim Backtesting kannst du dagegen vergangene Marktphasen beliebig oft nutzen.
Wichtig ist jedoch: Eine Vorgehensweise, die in der Vergangenheit funktioniert hat, funktioniert nicht zwangsläufig auch in Zukunft. Regeln, die zu stark an historische Daten angepasst sind (sogenannte Überoptimierung bzw. Overfitting – also Bedingungen so lange zurechtzubiegen, bis die Ergebnisse nur in einem bestimmten vergangenen Zeitraum gut aussehen), versagen im Live-Handel häufig. Backtesting ist daher kein „Werkzeug, das Ergebnisse verspricht“, sondern ein „Werkzeug, um die eigene Vorgehensweise zu überprüfen und zu verfeinern“.
Es gibt zwei Arten von Backtesting
Das ist der wichtigste Punkt: Backtesting lässt sich grob in systematisch (automatisiert) und diskretionär (manuell) unterteilen.
Systematisch (automatisierter Backtest)
Ein- und Ausstiegsbedingungen werden vollständig in Zahlen oder Code definiert und von der Software in einem Durchlauf auf historische Daten angewendet. Für Ermessensentscheidungen bleibt kein Raum. Statistisch geprüft wird: „Wie hätten Trefferquote, Gewinn/Verlust und maximaler Drawdown ausgesehen, wenn diese Regel über die letzten X Jahre gelaufen wäre?“
Ein typisches Werkzeug im Forex-Bereich ist der Strategietester von MT4/MT5. Für alle, die automatisierten Handel (EA) entwickeln oder nach mechanischen Regeln handeln, ist er unverzichtbar.
Da sich Regeln aber in Zahlen oder Code fassen lassen müssen, kann diese Methode diskretionäre Entscheidungen (die sich nach dem jeweiligen Marktumfeld richten) nur schlecht abbilden. Zudem sind Kenntnisse in Programmierung und Regeldesign erforderlich.
Diskretionär (manuelles Replay)
Historische Charts werden Kerze für Kerze abgespielt, die Zukunft bleibt verborgen, und du entscheidest jedes Mal selbst: „Hier steige ich ein“, „hier steige ich aus“. So kannst du Entscheidungen, die dem Live-Handel nahekommen, in vergangenen Marktphasen beliebig oft üben. Man spricht auch von „manuellem Backtesting“ oder „Chart Replay“. Typische Beispiele sind Bar Replay in TradingView oder auf das Üben spezialisierte Tools wie ENTRIQ.
Beim systematischen Ansatz geht es vor allem darum, den statistischen Vorteil (Edge) einer Regel zu bewerten. Beim diskretionären Ansatz geht es vor allem darum, die Entscheidungsfindung selbst durch wiederholtes Üben zu verinnerlichen. Im diskretionären Trading hängt das Ergebnis selbst bei gleicher Methode davon ab, wie du das jeweilige Marktumfeld einschätzt (etwa Trend oder Seitwärtsphase). Gerade deshalb ist diskretionäres Backtesting sinnvoll: Dabei übst du immer wieder, Handelsentscheidungen zu treffen.
Welcher Ansatz passt zu dir?
Die beiden Ansätze sind nicht besser oder schlechter – sie verfolgen unterschiedliche Ziele. Zunächst ein Überblick in Tabellenform:
| Kriterium | Systematisch (automatisiert) | Diskretionär (manuelles Replay) |
|---|---|---|
| Testmethode | Automatischer Test in einem Durchlauf, z. B. per Programm | Historische Charts werden manuell Kerze für Kerze abgespielt |
| Hauptziel | Den statistischen Vorteil einer Regel prüfen | Die Entscheidungsfindung durch wiederholtes Üben verinnerlichen |
| Ausführung | Automatisch durch die Software | Manuell nach eigener Entscheidung |
| Geeignet für | Trader, die mit automatisiertem Handel (EA) oder mechanischen Regeln arbeiten | Trader, die das Marktumfeld selbst beurteilen und entscheiden möchten |
| Typische Tools | MT4/MT5 usw. | TradingView (Bar Replay), ENTRIQ usw. |
Daraus ergibt sich eine einfache Entscheidungshilfe:
- Du möchtest mechanische Regeln aufstellen und ihren statistischen Vorteil prüfen → systematisch (MT4/MT5 usw.)
- Du möchtest die Fähigkeit, den Markt selbst zu beurteilen, durch wiederholtes Üben aufbauen → diskretionär (manuelles Replay / Chart Replay)
Kurz gesagt: Wer automatisierten Handel entwickeln möchte, ist beim systematischen Ansatz richtig; wer diskretionär sein eigenes Handelsmuster festigen möchte, beim diskretionären. Manche kombinieren auch beide.
ENTRIQ ist übrigens ein Backtesting-Tool, das auf den diskretionären Ansatz (manuelles Replay) spezialisiert ist. Es eignet sich für einen Übungsablauf, bei dem du historische Charts Kerze für Kerze abspielst, deine Entscheidungen mit Strategy Tags festhältst und später auswertest. Für systematische, automatisierte Backtests eignen sich spezialisierte Tools wie MT4/MT5.
Diskretionäres Backtesting in der Praxis
Wenn dich der diskretionäre Ansatz interessiert, findest du dein eigenes Handelsmuster leichter, wenn du das Backtesting nach einzelnen Methoden aufteilst. Im ENTRIQ Lab erklären wir das Backtesting für jede Methode in eigenen Artikeln.
- Wenn du dir zuerst einen Überblick über Trading-Methoden verschaffen möchtest, findest du in 8 Trading-Strategien im Überblick Muster, die zu dir passen könnten.
- Wenn du mit dem Handel in Trendrichtung beginnen möchtest, ist Trendfolge mit Backtesting üben ein guter Einstieg.
- Wenn du erst einmal wissen möchtest, was das Abspielen historischer Charts überhaupt ist, verschafft dir Chart Replay erklärt|Aktien-Trading mit historischen Charts üben den nötigen Überblick.
Häufige Fragen (FAQ)
F: Ist Backtesting dasselbe wie das Testen einer Handelsstrategie anhand historischer Daten? Im Wesentlichen ja. Backtesting bezeichnet ganz allgemein das Überprüfen einer Handelsweise anhand historischer Daten. Viele verbinden den Begriff vor allem mit automatisiertem Handel (systematischer Ansatz), doch auch der diskretionäre Ansatz, bei dem du historische Charts manuell durchgehst, ist vollwertiges Backtesting.
F: Was ist der Unterschied zwischen Backtesting und Demokonto-Handel? Beim Backtesting überprüfst du anhand historischer Marktdaten deine Entscheidungen und übst, Handelsentscheidungen zu treffen. Beim Handel auf einem Demokonto testest du die Orderausführung mit virtuellem Kapital unter aktuellen Marktbedingungen. Der Vorteil des Backtestings: Du kannst dieselbe Situation beliebig oft wiederholen. Der Vorteil des Demokontos: Du erlebst die Anspannung in Echtzeit. Da sich die Ziele unterscheiden, nutzen manche Trader beides je nach Zweck.
F: Verbessert Backtesting meine Ergebnisse? Backtesting garantiert keine Ergebnisse. Was in der Vergangenheit funktioniert hat, muss in Zukunft nicht funktionieren, und zu stark an historische Daten angepasste Regeln versagen im Live-Handel unter Umständen. Die Aufgabe des Backtestings ist es, die eigene Vorgehensweise zu überprüfen und deine Entscheidungskriterien zu schärfen. Am besten versteht man es als Werkzeug, mit dem du übst, diese Kriterien im Live-Handel anzuwenden.
F: Sollten Einsteiger mit dem systematischen oder dem diskretionären Ansatz beginnen? Das hängt davon ab, wie du handeln möchtest. Wenn du keine Scheu vor Programmierung und Regeldesign hast und mechanisch handeln möchtest, ist der systematische Ansatz passend. Wenn du den Markt selbst beurteilen und entsprechend entscheiden möchtest, der diskretionäre. Für Einsteiger, die diskretionär beginnen möchten, ist es ein gut machbarer Start, zunächst eine einzelne Methode per Chart Replay wiederholt zu üben.
Fazit
Backtesting bezeichnet ganz allgemein das Überprüfen einer Handelsweise anhand historischer Kursbewegungen. Dabei gibt es zwei Arten: systematisch (automatisiert, z. B. MT4/MT5) und diskretionär (manuelles Replay, Chart Replay).
Keiner der beiden Ansätze ist überlegen – sie verfolgen unterschiedliche Ziele. Für das Prüfen mechanischer Regeln eignet sich der systematische Ansatz, für das wiederholte Üben der Entscheidungsfindung selbst der diskretionäre. Wenn du den Ansatz wählst, der zu deinem gewünschten Trading-Stil passt, sparst du dir unnötige Umwege.
ENTRIQ ist ein Tool für diskretionäres Backtesting – es vereint das Abspielen historischer Charts, das wiederholte Üben von Entscheidungen sowie Dokumentation und Auswertung in einem Ablauf. Wenn du dein eigenes diskretionäres Handelsmuster festigen möchtest, kannst du mit der 14-tägigen kostenlosen Testversion beginnen.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Empfehlung für bestimmte Transaktionen dar. Trading ist mit Risiken verbunden, und zukünftige Ergebnisse können nicht garantiert werden. Dieser Dienst ist keine Anlageberatung. Die bereitgestellten Informationen sind Referenzinformationen auf Basis vergangener Daten. Anlageentscheidungen treffen Sie in eigener Verantwortung. ーーーendーーー
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